Rechtschaffene Frauen (sālihāt)

05. Haziran 2026

Verehrte Muslime!

Unsere Hutbe handelt von rechtschaffenen Frauen.

Allah Taʿālā erschuf den Menschen – wie auch andere Lebewesen – als männlich und weiblich. Doch Er gestaltete sie wie die Organe eines Körpers, die sich gegenseitig ergänzen. Die Tatsache, dass die Organe unterschiedliche Funktionen haben, bedeutet nicht, dass das eine Organ weniger bedeutend ist als das andere. Es gibt lediglich Unterschiede in den Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die Allah Taʿālā zwischen ihnen festgelegt hat. Die Vorzüglichkeit liegt hingegen in der Taqwā, in der Gottesfurcht.

Der heilige Koran verkündet diese erhabene Wahrheit kurz und prägnant wie folgt: „O ihr Menschen, Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Wahrlich, der Angesehenste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste unter euch. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allkundig.” (al-Hudschurāt, 49:13)

Es gibt sowohl unter den Männern als auch unter den Frauen Awliyāullāh, also Freunde Allahs. Im edlen Koran werden sie wie folgt beschrieben:  „Siehe, die Freunde Allahs haben wahrlich nichts zu befürchten, und sie werden nicht traurig sein; diejenigen, die den Imān verinnerlicht haben und gottesfürchtig handeln.“ (Yūnus, 10:62-63)

Bei genauerer Betrachtung liegt die Betonung hier auf Imān und Taqwā, also auf Glauben und Gottesfurcht. Eine Unterscheidung hinsichtlich der Geschlechter in Bezug auf die Nähe zu Allah wird nicht getroffen. Allerdings unterscheiden sich die Grade der Gottesfreunde nach dem Grad ihrer Gottesfürchtigkeit.

Allah, der Allmächtige, lobt rechtschaffene Frauen wie folgt: „Die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben und bewahren das zu Verbergende, wie Allah (es) zu bewahren befiehlt.“ (an-Nisā, 4:34)

Die Korankommentatoren legen diesen Ayat folgendermaßen aus: „Rechtschaffene Frauen sind diejenigen, die ihren Glauben aufrichtig leben und Gutes tun. Sie gehorchen Allah Taʿālā und ihren Ehemännern. In Abwesenheit ihrer Männer hüten sie ihre Keuschheit, das Eigentum ihrer Männer sowie ihre Pflichten gegenüber Allah. Und Allah behütet sie. Daher behandelt eure Frauen gut.“ (At-Tabarī, Tafsīr Sure 4:34)

Liebe Muslime!

Nach den Glaubensgrundsätzen der Ahl as-Sunna gab es keine Prophetinnen, wohl aber Gottesfreundinnen. Ihre Existenz ist durch edle Koranverse sowie durch segensreiche Hadithe unseres Propheten belegt.  Beispiele hierfür sind Āsiya, die ehrwürdige Frau des Pharao, und Maryam, die Mutter von Īsā (a.s).

In diesem Zusammenhang dürfen wir unsere Mutter Hadīdscha nicht vergessen, die als Erste an den Propheten der Welten glaubte, ihn in seiner gerechten Sache nicht im Stich ließ und ohne zu zögern ihr gesamtes Vermögen für den Gesandten Allahs und für die erhabene Religion des Islam ausgab. Ebenfalls zu erwähnen sind unsere Mutter Fātima, die ehrenwerte Tochter unseres Propheten, durch die die Nachkommenschaft unseres Propheten bis heute fortbesteht, sowie unsere Mutter Āischa, die durch den heiligen Koran geläutert wurde und für ihre Gottesfurcht, ihre Gelehrsamkeit, ihre Keuschheit und ihren Zuhd, also ihre Abkehr von weltlichen Dingen bekannt ist. Ebenfalls zu erwähnen sind alle anderen Frauen unseres Propheten.

Auch nach dem Goldenen Zeitalter der Glückseligkeit zeugt die Geschichte des Islam von unzähligen rechtschaffenen Frauen, darunter sowohl unbekannte als auch namhafte wie Rābiʿa al-Adawiyya, Sayyida Nafīsa und Zubayda Hātūn, die Gemahlin des Kalifen Hārūn ar-Raschīd.

Auch in unserer jüngeren Geschichte gab und gibt es viele rechtschaffene Frauen, die sich als Leuchttürme hervorgetan haben und zu den Gottesfreunden zählen. Diese ehrwürdigen Frauen widmeten sich nicht nur der Ibādāt in ihren Kämmerlein, sondern trugen auch maßgeblich zur Besserung der nachfolgenden Generationen bei, indem sie unzähligen  Studentinnen die islamisch-religiösen Wissenschaften lehrten und sie begleiteten. Wir sind diesen wertvollen Frauen jederzeit zu Dank und Gebeten verpflichtet. Denn sie sind mit dem folgenden Hadith gesegnet: „Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter.“ (an-Nasā’ī, Dschihād, 6).