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Üble Nachrede und Verleumdung

25. November 2022

1. Dschumada l-ula 1444

Verehrte Muslime,

unsere heutige Hutbe handelt von „namima”, d.h. Zutragen von Gerüchten und übler Nachrede. Allah Ta’ala hat den Menschen erschaffen, um ihn zu prüfen, welchen Weg er beschreitet, den Weg der Dschennet oder den des Dschehennem. In der Sure al-Mulk, 67:2, wird diese Tatsache wie folgt beschrieben: „(Er,) der den Tod und das Leben erschaffen hat, um euch zu prüfen, wer von euch die besten Taten vollbringt. Und Er ist der Allmächtige und der Allvergebende.”

Damit eine Prüfung verwirklicht werden kann, sind gute und schlechte Charaktereigenschaften, die sogenannten al-ahlaq al-hamida und al-ahlaq az-zamima, potentiell in die Wiege der Seele gelegt worden. Während gute Charakterzüge unsere geistigen Gefühle wie nützliche Bakterien in unserem Körper nähren und stärken, zerstören schlechte Gewohnheiten unsere geistige Welt wie schlechte Bakterien, die unsere Gesundheit schädigen. Es ist unsere Pflicht, sie zu kennen, um unsere Gesundheit zu schützen.

Eine dieser schlechten Gewohnheiten, die unser geistiges Leben bedroht ist namima, die üble Nachrede. Namima ist die Bezeichnung für die Verbreitung und Zutragen von Gerüchten, um Zwietracht und Feindschaft zwischen den Menschen zu schüren. Im Türkischen sagen wir dazu auch „koğuculuk”. Diese hässliche Angewohnheit sät die Saat des Hasses in den Herzen, zerreißt die Bande zwischen den Verwandten, macht Freunde zu Feinden, hetzt Bruder gegen Bruder und spaltet solide Gemeinschaften. Menschen, die üble Nachrede verbreiten gleichen Mücken, die ansteckende Erreger von Epidemien mit sich tragen. Man muss sich daher vor ihnen hüten.

Üble Nachrede ist keine Charaktereigenschaft eines Muslims und darf auch keineswegs sein. Daher warnt Allah Ta’ala vor manchen, die ihn leugnen, und beschreibt sie folgendermaßen: „Und gechorche keinem verächtlichen Schwörenden, Stichler und Verbreiter von Verleumdungen.” (Al-Qalam, 68:10-11)

Unser Prophet (s.a.w.) sagte: „Wer üble Nachrede verbreitet, wird nicht in die Dschennet eintreten.” (Müslim, İman, 45/168) Auf diese Weise erklärte er, dass die üble Nachrede eine sehr schlechte Angewohnheit ist.

Grund einer üblen Nachrede ist entweder der Person, über die man lästert, Schaden zuzufügen oder der Person gegenüber, mit der man lästert, seine vermeintliche Wertschätzung vorzutäuschen, um eigene Interessen zu wahren.

Liebe Muslime,

um vor dem Übel dieser Zuträger von Gerüchten und ihrer krankhaften Seelen sicher sein zu können, müssen bestimmte Dinge beachtet werden.

Erstens, ein Nammam, also eine Person, die üble Nachrede verbreitet, sollte niemals gutgeheißen werden. Denn diese Person ist bei Allah ein Fasiq (ein Frevler), wie es im folgenden Ayet beschrieben wird: „O die ihr den Iman verinnerlicht habt! Wenn ein Fasiq (Frevler) zu euch mit einer Nachricht kommt, so vergewissert euch, damit ihr nicht Leuten in Unwissenheit etwas antut und danach Reue empfindet für das, was ihr angetan habt.” (Al-Hudschurat, 49:6)

Zweitens, man sollte ihm die Boshaftigkeit seiner Handlung aufzeigen und ihm raten, es nicht wieder zu tun.

Drittens, gegenüber solch einer Person sollte man um Allahs willen abgeneigt sein. Denn eine derartige Person hat kein Gehör bei Allah.

Viertens, man sollte sich nicht von den Worten des Zuträgers täuschen lassen und gegenüber seinem islamischen Bruder übel gesinnt sein. Denn Allah Ta’ala sagt: „O die ihr den Iman verinnerlicht habt!  Meidet vieles von den Mutmaßungen. Manche Mutmaßung ist Sünde.” (Sure al-Hudschurat, 49:12)

Fünftens, man sollte es vermeiden, selbst ein Zuträger zu werden, in dem man die Gerüchte weiterverbreitet. Unser Prophet (s.a.w.) sagt: „Wer an Allah und an den Jüngsten Tag glaubt, soll entweder Gutes reden oder schweigen.” (Müslim, İman, 19/74)

Einst kam ein Zuträger zu Hazret Hasan al-Basri und sagte: „So und so hat hinter deinem Rücken gesprochen.” Hasan al-Basri fragte: „Wann, wo und was hast du dort gemacht?” Der Mann erwiderte: „Ich war bei ihm eingeladen.” Auf die Frage „Was hast du dort gegessen?” sagte er: „Dies und jenes.” und zählte acht Gerichte auf. Daraufhin sagte Hasan al-Basri: „Du Frevler! Acht verschiedene Speisen haben in deinem Magen Platz gefunden und nur ein paar Worte nicht? Scher dich weg von  mir!”

Diese Werte, die wir predigen, haben Gottesfreunde vorgelebt. Gesegnet seien diejenigen, die ihrem Beispiel folgen.